KONTAKT
ELSE-FRENKEL-BRUNSWIK-INSTITUT für Demokratieforschung in Sachsen
Universität Leipzig
Ritterstraße 26
04109 LEIPZIG
POSTFACH-NR.: 348003
- Forschungsprogramm
- Projekte
- Dokumentation
- Publikationen
- Veranstaltungen
Leipziger Ernst-Bloch-Fellowship
Das Else-Frenkel-Brunswik-Institut im Research Centre Global Dynamics an der Universität Leipzig schreibt seit 2025 regelmäßig das Leipziger Ernst-Bloch-Fellowship aus.
Bloch in Leipzig
Leipzig ist ein Ort, an dem der Bruch mit der ostdeutschen Vergangenheit und das Unerledigte an ihr besonders sinnfällig geworden sind. Diese Ambivalenz findet sich in einem der prominentesten Leipziger Bürger der 1940er und 1950er Jahre geradezu exemplarisch personifiziert: Ernst Bloch (1885–1977). Er hatte sich bei seiner Rückkehr aus dem US-Exil bewusst dafür entschieden, in Ostdeutschland zu wirken. Sein Geist der Utopie brannte für das Vermächtnis von Karl Marx. Schnell wurde er zum philosophischen Aushängeschild der DDR. Aber für sein umfassendes Programm, sämtliche unerledigten humanen Potenziale der abendländischen und vorderasiatischen Kultur für eine große Allianz der Menschheit mit der Natur zu mobilisieren, war der DDR-Marxismus viel zu eng. Einerseits dem Führungsanspruch der sozialistischen Partei verbunden, andererseits nicht bereit, sich von ihrer Enge einschnüren zu lassen, geriet Bloch unvermeidlich in Konflikt mit ihr – und kehrte 1961 von einer West-Reise während des Baus der Berliner Mauer nicht mehr nach Leipzig zurück.
Das Else-Frenkel-Brunswik-Institut
Das Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) nutzt einen breiten Forschungsansatz zum gegenwärtigen Autoritarismus. Es erstellt nicht nur Profile zu aktuellen rechtsextremen Einstellungen und ihrer Verteilung zwischen unterschiedlichen Populationen, sondern es untersucht auch, warum in einer erklärtermaßen demokratischen Umgebung tiefsitzende autoritäre Verhaltensweisen und Bedürfnisse fortdauern und neue Gestalten annehmen.
Zum Fellowship
Das Fellowship soll den Forschungsradius des Instituts erweitern und das unbewältigte autoritäre und unerledigte utopische Erbe des Realsozialismus, die in der Person Blochs so spektakulär konfligierten, in die Institutsarbeit einbeziehen. Durch eine Aufarbeitung und Aktualisierung des Bloch’schen Werks, speziell seiner Leipziger Phase, sollen die vornehmlich empirisch orientierten Studien des EFBI einen Unterbau geisteswissenschaftlicher Grundlagenforschung erhalten, der dem Austausch des Instituts mit der sächsischen Öffentlichkeit, Zivilgesellschaft und Politik weiteren Nachdruck verleiht. Es liegt auf der Hand, dass zentrale Bloch’sche Kategorien erhebliches Reflexionspotenzial freisetzen können, etwa der »Kälte- und Wärmestrom«, die »gleichzeitige Ungleichzeitigkeit«, die »Naturallianz« oder seine spezifische Verankerung im Judentum an Brennpunkten deutsch-deutscher Diskussionen (etwa zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zu Ressentiments, Heimat, Montagsdemonstrationen und Braunkohlegebieten). Damit ist aber nur das Spannungsfeld angedeutet, in dem sich die erhofften Beiträge der Fellows frei bewegen sollen.
Das Fellowship richtet sich an Bewerber bevorzugt ab Postdoc-Level. Geboten werden (finanziert aus EFBI-Mitteln): Aufwandsentschädigung von 1.500 €; Reisekostenpauschale von 500 €; komfortable, geräumige Gästewohnung (inkl. Tiefgaragennutzung); Arbeitsplatz im EFBI.
Erwartet werden: durchgängige Präsenz während der Zeit des Fellowships; ein Workshop zum Forschungsthema im erweiterten Institutsrahmen; ein öffentlicher Vortrag zum Forschungsthema. Für die Erträge des Fellowships stehen die Publikationsorgane des EFBI zur Verfügung.
Bewerbung
Erbeten werden: Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen und einem maximal 5-seitigen Exposé zum Forschungsvorhaben bis zum 01.07.2026 in einem zusammengefassten PDF an: efbi@uni-leipzig.de.
Kontakt
Tilman Meckel
Referent für Wissenschaftskommunikation
+49 341 97-37982
tilman.meckel@uni-leipzig.de
Download der Ausschreibung (PDF)
Bisherige Fellows
2026, 1.6.–15.7.
Dr. Lukas Meisner, Berlin
From Capitalist Realism to Nihilism? Towards a Political Economy of Anti-Utopia
2025, 1.11.–15.12.
Chiara De Cosmo, PhD, Bologna
„Ungleichzeitigkeiten“ und Linksrhetorik: Zur politischen Bestimmung von Blochs Begriff