Der III. Weg und seine digitale Mobilisierungsstrategie

von Gideon Wetzel

 

Die extrem rechte Partei Der III. Weg gilt mit ihren 950 Mitgliedern (Stand 2024, BfV, 2025) als Kleinpartei. Sie sieht sich selbst als Avantgarde der extremen Rechten in Deutschland (Deutscher Bundestag, 2024) und ist nach innen unter einem strengen Kaderprinzip organisiert, welches sich bereits in ihrem Werbeslogan niederschlägt: „Wir nehmen nicht jeden, aber vielleicht gerade dich.“ Obwohl die Partei damit nicht auf reines Mitgliederwachstum ausgerichtet ist, erhielt Der III. Weg zuletzt vor allem Zulauf aus der jungen Generation, was sowohl öffentliche Veranstaltungen als auch die Online-Präsenz der Partei vermuten lassen. Auch eine Kaderpartei ist auf neue Mitglieder angewiesen und will Einfluss auf die politische Öffentlichkeit ausüben. Der III. Weg setzt dabei auf eine Doppelstrategie aus Online-Mobilisierung über die sozialen Medien einerseits und andererseits klassischer rechter Raumnahme durch Präsenz auf der Straße mit Demonstrationen und Infoständen, durch Erwerb oder Anmietung von Immobilien als Treffpunkte für Mitglieder und Anlaufstellen für Interessierte, durch Veranstaltungsangebote wie den „nationalrevolutionären Weihnachtsmarkt“ sowie, ganz herkömmlich, durch die Verteilung von Propagandamaterialien. Wie nun im Zusammenspiel damit die Online-Mobilisierung der Partei ihre öffentliche Präsenz ergänzt, soll im Folgenden beleuchtet werden.

 

Gründung und Konzept

Die 2013 in Heidelberg gegründete Partei entstand, als die NPD an Kohäsion verlor und das Konzept der Freien Kameradschaften durch Ermittlungsverfahren und Vereinsverbote bedroht war (Bayern, 2014). Sie diente damit auch als Auffangbecken für ehemalige Mitglieder der 2014 verbotenen Organisation Freies Netz Süd (FNS) (BfV, 2014), eines Dachverbands der freien Kameradschaftsszene vor allem im Norden Bayerns (Franken), sowie für Ehemalige anderer extrem rechter Parteien, die nach einem radikaleren Weg suchten. So waren der erste Bundesvorsitzende Klaus Armstroff und der seit 2021 amtierende Matthias Fischer zuvor NPD-Funktionäre gewesen.[1] Der III. Weg kann damit auch als ein Versuch angesehen werden, als Partei die ehemaligen Strukturen des FNS zu erhalten und auszubauen. Dementsprechend war Der III. Weg anfangs vor allem im Süden Deutschlands anzutreffen, verstärkte im Lauf der Jahre jedoch seine Präsenz insbesondere im Osten. Bundesweit gliedert sich die Partei in sogenannte „Stützpunkte“, die durch „Stützpunktleiter“ geführt werden. Für Sachsen sind die Stützpunkte „Mittelland“ (Leipzig/Nordsachsen), „Ostsachsen“ (vor allem im Raum Bautzen und Görlitz), „Westsachsen“ (Zwickau, Erzgebirge) und „Vogtland“ bekannt.

Der Name der Partei lässt sich auf einen alten Konflikt innerhalb der extremen Rechten über die ideologische Weiterentwicklung zurückführen. In diesem Kontext bezeichnet der „dritte Weg“ den „deutschen Sozialismus“ als Alternative zu den bereits beschrittenen Wegen Kommunismus und Kapitalismus. Der III. Weg steht damit in der Tradition des sogenannten Strasser-Flügels der NSDAP (Schwarze Front) (BfV, 2014), knüpft an ein völkisches Menschenbild in enger Orientierung am historischen Nationalsozialismus an und versteht sich als „nationalrevolutionär“. Der sogenannte „deutsche Sozialismus“ ist jedoch nicht im Marx’schen Sinne an Klassenzugehörigkeit gebunden, sondern an eine rassische Volksgemeinschaft und damit dem historischen Namensgeber diametral entgegengesetzt (Aus dem Weg, 2024). Zwar sollen Schlüsselindustrien, Banken und Großbetriebe verstaatlicht werden, jedoch nicht mit dem Ziel einer herrschaftsfreien Gesellschaft, sondern der Abschaffung der westlichen Moderne mit all ihren freiheitlichen Errungenschaften (VSBW, 2022).

 

Programmatik

Der Antikapitalismus des III. Wegs richtet sich nicht gegen die Produktionsverhältnisse, sondern gegen einen als „jüdisch“ imaginierten „Finanzkapitalismus“: Die Partei versteht sich als antizionistisch und vertritt antisemitische Ansichten (Aus dem Weg, 2025b). Christliche Werte werden abgelehnt und durch eine heidnisch-germanische Esoterik der „Artgemeinschaft“ ersetzt. Umwelt- und Klimaschutz spielen ebenfalls eine Rolle, werden jedoch auf Grundlage der Blut-und-Boden-Ideologie als Heimatschutz der weißen Rasse ausgelegt. Vermeintlich linke Positionen werden so völkisch umgedeutet. Der III. Weg richtet sich vor allem an Jugendliche und knüpft über subkulturelle Auslegungen ihrer Positionen an diese an.

Die Themen verbindet man mit einem Geflecht von Verschwörungserzählungen: So ist etwa die Warnung vor der „Zersetzung“ des „Volkskörpers“ durch einen „Großen Austausch“, durch die LGBTQ-Bewegung und den Feminismus allgegenwärtig. Hinter der vermeintlich übergeordneten Verschwörung stehen in dieser Lesart „die Juden“, die auf die Auslöschung der „weißen Rasse“ abzielten (VSBW, 2025). Diese Erzählungen knüpfen an nationalsozialistische Vorläufer an, die ebenfalls behaupteten, die „nordische Rasse“ werde durch Judentum und Christentum unterdrückt (Friedländer, 2007). Ergänzt wird dies durch die Anschlussfähigkeit an reichsbürgerliche und souveränistische Narrative: So sei etwa die Bundesrepublik bis heute von den „westalliierten Besatzern“ kontrolliert. Hinzu kommt eine ausgeprägte Tag-X-Rhetorik, die auf die Vorbereitung eines fiktiven Tages des Umsturzes abzielt, womit die „nationalrevolutionäre“ Ausrichtung begründet wird (Segler, 2024). Queerfeindliche Hetze gehörte bereits ab 2017 zum Repertoire der Partei, weit vor der rechtsextremen Mobilisierungswelle gegen Christopher Street Days ab 2024 (Niendorf/Wetzel, 2026).

Zahlreiche Mitglieder werden als höchst gewaltorientiert eingeschätzt (BLPB, 2015). Aus strategischen Gründen verzichtet Der III. Weg zwar weitgehend auf die Anwendung von Gewalt, schließt sie – etwa im Fall von Konfrontationen mit dem politischen Gegner – aber auch nicht aus (Deutscher Bundestag, 2024). Insbesondere sollen sich die Mitglieder in Kampfsport- und Selbstverteidigungstechniken üben (ebd.). Die teils gezielt paramilitärische Ausrichtung[2] wird so mit scheinbar unpolitischemitness- und Kampfsporttraining kaschiert. Die Gewaltbereitschaft ist mehrfach dokumentiert: 2024 gab es Razzien und Festnahmen gegen Mitglieder der Partei wegen eines Angriffs auf politische Gegner am S-Bahnhof Ostkreuz in Berlin (dpa, 2024); 2025 folgte ein koordinierter, gewalttätiger Angriff auf Besucher der Veranstaltung Bad Freienwalde ist bunt (Aus dem Weg, 2025a).

 

Abbildung 1: Aufkleber mit Kampfansage gegen den „Volkskörper“ schädigende Einflüsse[3]

 

Nationalrevolutionäre Jugend

Durch den Fokus auf Jugendliche und junge Erwachsene kommt der Jugendorganisation des III. Wegs, der Nationalrevolutionäre Jugend (NRJ), eine besondere Relevanz für die Partei zu. Im Vergleich mit anderen extrem rechten Jugendorganisationen tritt sie – wie die Partei selbst – elitärer auf: Neue Mitglieder werden gezielt ausgewählt und durchlaufen einen Anwärterprozess. Neuartige Jugendstrukturen wie Deutsche Jugend Voran (DJV) oder Jung und Stark (JS) (Wetzel, 2024) sowie Jugendorganisationen anderer extrem rechter Parteien wie die Jungen Nationalisten (JN) bilden dabei mitunter ein Experimentierfeld, in dem potenzielle Mitglieder sich bereits bewährt haben. Übergänge von der JN zur NRJ sind dokumentiert (Re:Protest, 2026).

Durch ein umfangreiches Angebot von verschiedenen Aktivitäten sollen Mitglieder an die Partei gebunden werden – neben politischen Schulungsveranstaltungen werden auch zahlreiche Gemeinschaftsunternehmungen organisiert wie Camps, Wanderungen und Möglichkeiten zu sportlicher Betätigung, ergänzt um Formen des politischen Aktivismus wie Informationsstände, Flyerverteilaktionen und Demonstrationen. All dies wird sorgfältig dokumentiert und dient dann in Form von Blogbeiträgen, Telegram-Postings oder Kurzvideos sowohl als Tätigkeitsnachweis als auch als Propagandamaterial. Der Versuch, Jugendliche zu rekrutieren, zeigt sich unter anderem durch gezielte Plakatierungen in der Nähe von Schulen (Ebneth, 2025). Insbesondere während der Zeit der Corona-Pandemie, als offizielle Freizeiteinrichtungen schließen mussten, konnte die NRJ mit vornehmlich an Jugendliche gerichteten Aktivitätsangeboten an Boden gewinnen.

 

Arbeitsgruppen

In seiner Organisationsstruktur gliedert sich Der III. Weg in mehrere thematische Arbeitsgruppen (AGs), an denen die NRJ maßgeblich beteiligt ist. Die AG Jugend ist für die Jugendarbeit und die Akquise neuer Mitglieder zuständig. Sie pflegt den Selbstanspruch des elitären Kadermodells und transportiert nach außen Botschaften der Selbstermächtigung: „Gebt eurem Leben eine Bedeutung, die größer ist als ihr selbst. Werde nationalrevolutionär.“

Die AG Körper & Geist organisiert Sportübungen, Wanderungen und Kampfsporttrainings (Abb. 2). Sie steht für das Konzept des „politischen Soldaten“: für Wehrhaftigkeit und eine betont maskuline Körperlichkeit, verstanden als politische Haltung. Damit erinnert sie strukturell an das Konzept der sogenannten Active Clubs, existierte jedoch bereits vor deren Verbreitung (Stock, 2025).

Die AG Erde & Zukunft setzt sich mit Umweltschutz und Ökologie auseinander und organisiert unter anderem Müllsammelaktionen (Abb. 3). Der Umweltschutz wird ideologisch auf die völkische Formel „Umweltschutz ist Heimatschutz“ reduziert.

 

Abbildung 2: Aktivitäten der AG Körper & Geist in Telegram-Posts[4]

Abbildung 3: Aktivität der AG Erde & Zukunft im Telegram-Post[5]

Die AG Film & Foto produziert Foto- und Videomaterial, um es zu Propagandazwecken für die sozialen Medien zu verarbeiten, etwa in Form von Kurzvideos und Sharepics. Aktivitäten der Partei werden dokumentiert und Ideologeme visuell aufbereitet. Diese AG hat für Auftritt und Selbstdarstellung der Partei im digitalen Raum eine herausgehobene Bedeutung.

Die AG Feder & Schwert ist für die politisch-ideologische Weiterbildung verantwortlich. Sie organisiert Seminare und veröffentlicht ideologische Versatzstücke in einer eigenen Kolumne auf der Parteiwebsite. Daneben bestehen noch die AG Klangkunst sowie die AG Katastrophenhilfe.

 

Mobilisierung in den sozialen Medien

Die Mobilisierung findet sowohl auf analogem als auch auf digitalem Weg statt; beides ist eng miteinander verschränkt. Bilder von Aktionen und Veranstaltungen dienen als Material für die Verbreitung im digitalen Raum, während Drucksachen wie Flyer und Transparente über Links auf die Telegram-Kanäle und die Website des III. Wegs als weiterführende Informationsquellen verweisen (Abb. 4). Im digitalen Raum werden zudem die Affordanzen bestimmter Plattformen für unterschiedliche Kommunikationsfunktionen genutzt.

 

Abbildungen 4 und 5: Transparent[6] und TikTok mit Website- und Telegram-Link

 

Außenkommunikation: TikTok und Instagram

Bei der Außenkommunikation setzt Der III. Weg auf zeitgemäße und jugendgerechte Formate wie Kurzvideos, Sharepics und Memes, die vor allem auf TikTok und Instagram Verbreitung finden. Instagram entfernt Inhalte häufiger; offizielle Parteiauftritte gibt es dort nicht. Stattdessen tritt vor allem der Microinfluencer Ein Nationalrevolutionär auf, und einzelne Mitglieder teilen Parteiinhalte auf ihren persönlichen Profilen. TikTok sperrt Inhalte ebenfalls, jedoch überdauern sie dort länger, und die Parteizugehörigkeit ist offensichtlicher. Dennoch werden die Logos von Der III. Weg und der NRJ in der Regel unkenntlich gemacht (geblurrt) – vermutlich, um eine automatisierte Erkennung durch TikTok zu erschweren. Auch kodierte Schreibweisen (z.B. DΣR 3. ШΣG) und Emoji-Kombinationen (⚔️💚🐺🌲) weisen trotz geblurrter Logos auf die Partei hin.

Die Partei ist mit einer Vielzahl von Profilen divers und redundant auf TikTok aufgestellt; oft gibt es pro Profil verhältnismäßig wenige Videos. So existiert stets eine Anzahl von Backup-Profilen für den Fall, dass eines gesperrt werden sollte. Inhalte werden präventiv gesichert, um sie bei Löschung – leicht modifiziert – erneut hochladen zu können.[7] Bezeichnenderweise wird weder auf TikTok selbst noch sonst auf andere TikTok-Accounts verwiesen, sondern stets nur auf die Website und die Telegram-Kanäle der Partei als beständige Plattformen (Abb. 5).

Die Plattformpolitik von TikTok und Meta gegenüber dem III. Weg ist intransparent: Beide Plattformen führen eigene, nicht öffentliche Designationsprozesse. Vermutlich wurde Der III. Weg von TikTok als „hateful organization“ eingestuft. Nach TikToks eigenen Bestimmungen ist dabei irrelevant, ob eine Organisation verboten ist – entscheidend ist allein, ob die Inhalte etwa diskriminierender Natur sind (TikTok, 2024). Ähnliches gilt für Meta, wobei das System dort noch intransparenter ist (Meta, 2026). In einem Verfahren von 2019 wurde bereits die Sperrung des Facebook-Auftritts von Der III. Weg verhandelt: Meta sperrte den gesamten Account der Partei aufgrund eines Posts. Vor Gericht erwirkte die Partei eine temporäre Freischaltung während der Europawahlen (Global Freedom of Expression, 2019).

Die Kurzvideos nutzen Ästhetiken der Popkultur und rechts kodierte Trends (pre:bunk, 2023; Lehmann, 2023). Mitglieder der NRJ treten als Influencer*innen auf, die populäre Formate wie Talking-Head[8] oder Hot-Take[9] zu Themen der Partei erstellen. Eine große Rolle spielen die öffentlichen Aktivitäten der Partei und ihrer AGs: Demonstrationen, Protestveranstaltungen, Flyerverteilungen, Müllsammelaktionen, Wanderungen, Kampfsporttrainings, gemeinsames Graffitisprayen und Stickern (Anbringen von Aufklebern im öffentlichen Raum) werden durch schnelle Schnitte und typische Techno-Sounds für ein junges Publikum inszeniert. Die Parteikleidung sticht dabei in den Videos hervor – in manchen Formaten wird lediglich in der parteitypischen Kleidung posiert, was von einer gewissen Uniformierung zeugt, aber die Partei auch als Marke kommuniziert. Die gewählten Szenerien sind oft naturbezogen: Wälder, Berge, Seen, Felder und Wiesen; auch eine gezielte Verwendung von Trendsounds ist zu beobachten (Wetzel/Stock, 2026). Darüber hinaus wird szenebekannte Musik aus den Bereichen Rechtsrock, rechter Rap[10] und NS-Blackmetal (NSBM) eingesetzt. Diese Ästhetiken werden vom Empfehlungsalgorithmus erfasst und potenziell interessierten Zielgruppen ausgespielt. Ähnliche Formate lassen sich gleichermaßen bei anderen rechten Gruppierungen wie der JN beobachten. Für Sharepics und Informationsvideos wird überwiegend auf KI-erstellte Inhalte gesetzt. Kontaktaufnahmen über die TikTok-Kommentarfunktion bleiben häufig unbeantwortet; es ist davon auszugehen, dass erfahrene Kader über private Nachrichten reagieren (Re:Protest, 2026), um den entstehenden Rapport zu isolieren.

 

Innenkommunikation – Telegram und Website

 

Abbildung 6: Netzwerkdiagram des III. Wegs auf Telegram

 

Über den Messaging-Dienst Telegram organisiert sich die Partei nach innen. Telegram hat sehr lockere Sperrungsregeln und verfügt über keine nennenswerte Moderation, was eine gewisse Beständigkeit der Kanäle sichert. Neben dem Hauptkanal existieren Kanäle für die einzelnen Stützpunkte, die AGs sowie für den sogenannten Materialversand, über den Aufkleber und Parteikleidung beworben werden. Transparente, Flyer oder Einblendungen in den TikToks (Kurzvideos) verweisen auf die Telegram-Kanäle. Eine Netzwerkanalyse[11] aller uns bekannten Telegram-Accounts der Partei anhand der Weiterleitungen zeigt den hierarchischen Aufbau des Netzwerks (Abb. 6). Die Stützpunktkanäle posten standortspezifische Meldungen, informieren regelmäßig über ihre Aktivitäten und bewerben anstehende Events (Abb. 7). Ein Großteil der Nachrichten speist sich aus Weiterleitungen aus dem Hauptkanal, der somit den zentralen Knotenpunkt im Netzwerk bildet. Aus dem Netzwerkdiagramm gehen die Bedeutung der NRJ, der AG Körper & Geist, des Microinfluencers Ein Nationalrevolutionär sowie der Stützpunkte Berlin/Brandenburg, Vogtland, Mittelsachsen und Westsachsen hervor – diese sind enger mit dem Hauptkanal verknüpft als andere Knoten.

 

Abbildung 7: Flyer-Verteilaktionen in Telegram-Posts[12]

Die Auswertung der Nachrichten und die Weiterleitungen aus dem Hauptkanal je Stützpunkt geben Aufschluss über den jeweiligen Aktivitätsgrad und die Eigenständigkeit (Abb. 8): Am aktivsten sind die Stützpunkte Oberbayern, Südhessen, Westsachsen, Baden-Württemberg, Sauerland, Vogtland, Berlin/Brandenburg sowie Sachsen-Anhalt. Die Stützpunkte Ostbayern, Westerwald, Burgenlandkreis, Nordsachsen und Harz fallen durch die relativ hohe Zahl der Weiterleitungen auf und könnten für den strategischen Ausbau im Fokus stehen.

 

Abbildung 8: Absolute Anzahl eigener Nachrichten und Weiterleitungen aus dem Hauptkanal der jeweiligen Stützpunkte der Partei Der III. Weg

Abbildung 9: Eigene Nachrichten und Weiterleitungen aus dem Hauptkanal der Stützpunkte in Deutschland

 

Daneben existieren Kanäle, die sich als „Unabhängige Nachrichten“ bezeichnen und über ihren Kanalnamen einen lokalen Bezug herstellen. Hier werden ebenfalls Nachrichten aus dem Hauptkanal weitergeleitet sowie lokale Meldungen gepostet. Diese Kanäle scheinen eine Vorstufe der Stützpunkte darzustellen – was sich unter anderem darin andeutet, dass manche Stützpunktkanäle den Zusatz „Unabhängige Nachrichten“ noch im Kanaltitel tragen.

Für die Netzwerkanalyse wurden außerdem Kanäle aus dem Umfeld des Musiklabels Neuer Deutscher Standard (NDS) erfasst, auf das im weiteren Verlauf eingegangen wird. In jüngerer Zeit hat sich das Label ideologisch in die Nähe der Partei bewegt, was sich in Weiterleitungen aus Partei-Kanälen durch repräsentative Mitglieder des Labels zeigt (vor allem MaKss Damage, Proto und Kavalier). Das Label erscheint als eigener Cluster mit Telegram-Auftritten aus dem Raum Bautzen/Oberlausitz (Stützpunkt Ostsachsen, NRJ Oberlausitz, Balaclava Graphics). Eine Netzwerkanalyse extrem rechter Parteien auf Telegram aus dem Jahr 2023 zeigt, dass Der III. Weg im Vergleich zu anderen Parteien weitgehend isoliert auf Telegram agiert (Hohenwalde, 2023).

 

Die Website als Anker

Die Beiträge auf dem Hauptkanal enthalten in der Regel nur Teaser-Texte und verweisen über einen Link auf den vollständigen Text auf der Website. Die selbstgehostete Website bildet damit den inhaltlichen Kern: Auf ihr werden Texte veröffentlicht und weitere Medienerzeugnisse wie Kurzvideos und Podcasts archiviert. Über die eigene Website hat die Partei die größtmögliche Kontrolle und ist damit unabhängig von Änderungen der Richtlinien bei den Social-Media-Plattformen.

Das Nachrichtenaufkommen ist sehr hoch; teilweise erscheinen über zehn Artikel pro Tag. Seit 2013 wird kontinuierlich gepostet, wodurch allein im Blogbereich über 18.000 Nachrichten zusammengekommen sind. Dies deutet darauf hin, dass Stützpunkte und AGs dazu angehalten werden, regelmäßig zu berichten und Inhalte veröffentlichen. Die Posts haben damit auch die Funktion von Tätigkeitsnachweisen: Sie demonstrieren Handlungsfähigkeit nach außen und sorgen für Anerkennung und Belohnung nach innen. Ergänzt wird der Blog durch eine Kolumne der AG Feder & Schwert sowie durch Podcasts.

Aufgrund der zentralen Rolle der Website wurden die Blogartikel mittels Topic-Modeling inhaltlich untersucht: Texte werden dabei nach inhaltlicher Ähnlichkeit geclustert, die Cluster thematisch untersucht und entsprechend benannt (Wetzel, 2023). Die Häufigkeit der wichtigsten Topics wird in Abbildung 10 im Zeitverlauf (Nachrichten/Woche) gezeigt. Ab Frühjahr 2017 ist ein sprunghafter Anstieg des Nachrichtenaufkommens zu verzeichnen – in dieser Zeit wurden zwei sächsische Stützpunkte gegründet.[13] In Hinblick auf das Aufkommen von KI-Schreibwerkzeugen[14] lässt sich hingegen weder bezüglich Umfang noch Textlänge eine messbare Veränderung feststellen.

Inhaltlich dominiert das häufigste Topic mit Einträgen zu vermeintlicher „Ausländerkriminalität“ gegen Deutsche und mit Hetze gegen Asylunterkünfte. Weitere inhaltliche Schwerpunkte sind Flyerverteilungen,[15] Gedenkschreiben an deutsche Nationalisten, Antisemitismus gepaart mit Islamfeindschaft,[16] das sogenannte Heldengedenken,[17] der Krieg in der Ukraine[18] sowie der Kampf gegen LGBTQ-Rechte. Nicht zuletzt weil die Partei im Fokus von Verfassungsschutz und Ermittlungsbehörden steht, sind ihr auch Informationen zu Überwachung und Datenschutz ein Anliegen.

 

Abbildung 10: Zeitlicher Verlauf der wichtigsten Topics der Nachrichten auf der Website der Partei Der III. Weg

 

Das Angebot auf der Website wird durch diverse Podcasts ergänzt. Revolution auf Sendung ist ein Gesprächsformat, in dem Aktivisten aus dem Umfeld des III. Wegs interviewt werden. Der Weltanschauungspodcast widmet sich der ideologischen Indoktrination – mutmaßlich fassen KI-Stimmen die Ansichten der Partei in leicht konsumierbaren Einheiten zusammen. Das Format Zirkel 451 bespricht Bücher aus dem extrem rechten Spektrum.

 

Bautzen als Zentrum digitaler Produktion

Der Raum Bautzen hat sich in den letzten Jahren zu einem Schwerpunkt der digitalen Produktion des III. Wegs entwickelt. Der Stützpunkt Ostsachsen (Bautzen/Görlitz) wurde erst 2024 gegründet. Seit etwa 2022 ist der Microinfluencer Ein Nationalrevolutionär in Bautzen aktiv und tritt als exponierte Einzelfigur auf. Auch das Musiklabel Neuer Deutscher Standard (NDS) hat seinen Sitz in der Nähe von Bautzen (Weifa).

Der seit 2011 in rechten Kreisen aktive Rapper MaKss Damage stieß 2023 zum Label (Frühauf, 2011). In jüngerer Zeit hat sich der NDS aus dem Umfeld der Identitären Bewegung (IB) gelöst – Kai Naggert alias Proto trat früher unter dem IB-Format Ruhrpott Roulette auf (Lotta, 2019) – und ideologisch in Richtung III. Weg bewegt (Recherche Ulm, 2026). Dies zeigt sich exemplarisch im Musikvideo zum Song „Weiß, Männlich, Kampfbereit“ von Proto und MaKss Damage, in dem Anhänger des III. Wegs in Parteikleidung auftreten.[19] Musik fungiert hier als Propagandamedium. Die ideologische Nähe der drei genannten Musiker zum III. Weg ist auch aus ihren Auftritten im parteieigenen Podcast Revolution auf Sendung[20] und bei Partei-Events zu ersehen (Abb. 11). Das Label NDS erscheint somit als kultureller Arm einer zunehmend kohärenten digitalen Infrastruktur, die im Raum Bautzen/Oberlausitz verortet ist.

 

Abbildung 11: Werbung für den „nationalrevolutionären Weihnachtsmarkt“ in Hilchenbach 2025 mit den NDS-Musikern MaKss Damage, Proto und Kavalier[21]

 

Fazit

Die Online-Strategie des III. Wegs ist kein Appendix der parteilichen Arbeit, sondern deren strukturelles Rückgrat. Sie folgt einer klaren Kanallogik, die die hierarchische Kaderstruktur der Partei unmittelbar widerspiegelt: TikTok und Instagram dienen einer niedrigschwelligen Außenkommunikation und der Ansprache Jugendlicher; Telegram fungiert als Bindeglied und interne Kommunikationsinfrastruktur; die selbstgehostete Website bildet den inhaltlichen Kern und sichert Unabhängigkeit von Plattformen. Dieser Funnel (engl. für „Trichter“) – von TikTok über Telegram zur Website – ist bewusst gegen mögliche Löschung und Sperrung abgesichert: Redundante Accounts, präventive Inhaltssicherung und die Vermeidung plattformübergreifender Verlinkungen auf TikTok verringern die Angriffsfläche.

Auch der Fokus auf Jugendliche ist kein randständiger Aspekt, sondern programmatisch. Die Nationalrevolutionäre Jugend und die Arbeitsgruppen der Partei – insbesondere die AG Körper & Geist und die AG Film & Foto – greifen in ihrer politischen Tätigkeit ineinander: Aktionen werden inszeniert, dokumentiert und für die sozialen Medien aufbereitet. Die Berichterstattung selbst zielt dabei zwar primär auf Außenwirkung ab, es kommt ihr jedoch nach innen zugleich eine wichtige Anerkennungs- und Belohnungsfunktion zu. Das umfassende Aktivitätenangebot bindet Jugendliche an die Partei und nimmt Einfluss auf zahlreiche Lebensbereiche – von Sport und Freizeitgestaltung über politische Bildung bis hin zu paramilitärischer Ausbildung.

Die Partei ist als gewalttätig und gewaltbereit einzustufen. Gleichzeitig ermöglicht das Kadermodell, dass eine kleine, fest sozialisierte „Elite“ früher oder später andere extrem rechte Strukturen beeinflusst oder mitbegründet. Vor dem Hintergrund einer wachsenden digitalen Infrastruktur – wie der Cluster um das Musiklabel NDS im Raum Bautzen zeigt – ist Der III. Weg trotz seiner geringen Mitgliederzahl als relevanter Akteur extrem rechter Mobilisierung zu bewerten, dessen Wirkung über die eigene Mitgliedschaft hinausgeht.

 

Über den Autor

Gideon Wetzel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am EFBI im Bereich Online-Monitoring.

 

Erstveröffentlichung

Dieser Text wird Teil des kommenden EFBI Digital Report 2026-2.

 

Literatur

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Aus dem Weg (2025a). 15.06.2025 – III. Weg Angriff in Bad Freienwalde. ausdemweg.net, 16.06.2025. URL: https://www.ausdemweg.net/15-06-2025-iii-weg-angriff-in-bad-freienwalde/ (01.06.2026).

Aus dem Weg (2025b). Der Antikapitalismus des III. Wegs. Kapitel 2 – Was ist Antikapitalismus? ausdemweg.net, 18.04.2025. URL: https://www.ausdemweg.net/der-antikapitalismus-des-iii-wegs-kapitel-2-was-ist-antikapitalismus/ (01.06.2026).

Bayern (2014). Bekanntmachung eines Vereinsverbots gegen das „Freie Netz Süd“ (FNS). Bundesanzeiger, 23.07.2014. URL: https://www.bundesanzeiger.de/pub/publication/ZebaHXaKyR1aZMfJQTb?0 (18.06.2026).

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Fußnoten

[1] Armstroff war NPD-Landesvorstand von Rheinland-Pfalz; Fischer war bayerischer Landesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten (JN) sowie ein maßgeblicher Aktivist beim FNS.

[2] Es sind Schießtrainings belegt https://web.archive.org/web/20200717015840/https://democratic-europe.eu/2020/06/10/russia-provides-combat-trainings-for-far-right-european-organizations/ (19.06.2026).

[3] https://der-dritte-weg.info/2026/03/muenchen-schwuler-und-gruener-israel-anhaenger-zum-oberbuergaymeister-gewaehlt/ (19.06.2026).

[4] https://t.me/derdrittewegwestsachsen/1297 (19.06.2026).

[5] https://t.me/derdrittewegwestsachsen/1624 (19.06.2026).

[6] https://pixelarchiv.org/event/2026.05.01.gera/1/065.jpg (19.06.2026).

[7] Davon zeugen die TikTok-Wasserzeichen, die beim Download automatisch hinzugefügt werden.

[8] Protagonist*in filmt sich mit der Selfie-Kamera und erzählt etwas zu einem Sachverhalt.

[9] Protagonist*in zeigt sich wortlos, ein provokanter Kommentar wird als Text über dem Video eingeblendet.

[10] Hier vor allem vom Label Neuer Deutscher Standard (NDS).

[11] Dazu wurden alle verfügbaren Telegram-Nachrichten über die Telegram-API heruntergeladen.

[12] https://t.me/derdrittewegwestsachsen/1465 (19.06.2026).

[13] Vgl. https://der-dritte-weg.info/2017/03/weitere-stuetzpunkte-in-sachsen-gegruendet/ (19.06.2026).

[14] Hierfür wird in der Regel die kostenfreie Freigabe von ChatGPT im November 2022 angenommen.

[15] Thematisch richten diese sich vor allem gegen Asyl, während der Corona-Pandemie wurde dieses Thema auch in den Flyern thematisiert wie sich im Diagramm erkennen lässt.

[16] Vor allem werden hier Kriegshandlungen von Israel kommentiert.

[17] Die vom III. Weg jährlich ausgerichtete Demonstration in Wunsiedel am Vorabend des Volkstrauertages gehört zum festen Repertoire der Partei und dient der Verehrung von Rudolf Heß, dem ehemaligen Stellvertreter Adolf Hitlers, der in Wunsiedel bestattet wurde.

[18] Der III. Weg steht auf der Seite der Ukraine, womit die Partei innerhalb der extremen Rechten eine Sonderstellung einnimmt.

[19] Vgl. https://www.youtube.com/watch?v=7vNDOML8_JE (19.06.2026).

[20] 04.11.25: https://odysee.com/@RevolutionAufSendung:8/Revolution_auf_Sendung059:1.

[21] https://t.me/DerDritteWegSauerlandSiegerland/1034 (19.06.2026).

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