Vortrag: Nach dem Ende des Endes der Geschichte: Keine AfD ohne die große Erzählung der Alternativlosigkeit
Donnerstag, 9. Juli 2026, 18 Uhr, Felsenkeller, Leipzig
Dr. Lukas Meisner, Ernst-Bloch-Fellow am Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) im Sommersemester 2026, referiert zur Möglichkeit des Utopischen in einer Gesellschaft, in der die scheinbar einzige Alternative zum Bestehenden nicht die Überwindung der Krise, sondern ihre Verschärfung ist. Mit dem Slogan „Es gibt keine Alternative“ (Margaret Thatcher) und dem proklamierten Ende „Ende der Geschichte“ (Francis Fukuyama) wurde der Ausschluss von Utopien systemisch. Inzwischen ist dieses proklamierte Ende seinerseits vorbei, doch in den „Ruinen des Neoliberalismus“ (Wendy Brown) wächst wenig Utopisches; vielmehr scheint eine „Zeit der Monster“ (Mario Candeias) angebrochen zu sein. Sind die Alternativen ausgeschlossen, werden die einzige „Alternativen“ zum Liberalismus dessen Verschärfungen: autoritärer Neoliberalismus, Libertarismus, Anarchokapitalismus. Lässt sich in den EFBI-Forschungsergebnissen eine Aktualisierung von Ernst Blochs Geschichtlichkeit eines „Noch-Nicht“ finden?
Nach dem Vortrag diskutiert Dr. Lukas Meisner mit dem EFBI-Direktor Prof. Dr. Oliver Decker.
Das EFBI untersucht in der Demokratieforschung sowohl rechts[extreme Einstellungen als auch tief verwurzelte autoritäre Haltungen in demokratischen Gesellschaften. Das neue Fellowship soll diesen Forschungsansatz erweitern, indem es das autoritäre und utopische Erbe des Realsozialismus thematisiert und Blochs Denken in die Arbeit des Instituts integriert. Ziel ist es, die empirische Demokratieforschung des EFBI durch geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung zu vertiefen und den Austausch mit Öffentlichkeit, Zivilgesellschaft und Politik zu stärken.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Datum: 9. Juli 2026
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Ort: Felsenkeller, Karl-Heine-Straße 32, 04229 Leipzig