EFBI Policy Brief 2025-2: Protestberichterstattung an den Grenzen der Demokratie

Der neue EFBI Policy Brief fasst zusammen, wie Journalisten, die regelmäßig über Proteste in Sachsen berichten, Angriffe und Bedrohungen wahrnehmen und welche Auswirkungen diese Erfahrungen auf ihre Arbeit sowie auf die demokratische Öffentlichkeit haben. Der Policy Brief basiert auf einer Studie von Dr. Johannes Kiess und Christina Gutsmiedl, die jüngst in der begutachteten Zeitschrift M&K – Medien und Kommunikationswissenschaft erschien.

Ausgangspunkt der Untersuchung war der in den letzten Jahren deutliche Anstieg verbaler und körperlicher Übergriffe auf Medienvertreter, insbesondere bei Demonstrationen mit extrem rechter oder verschwörungsideologischer Ausrichtung. In der kommunikations- wie in der politikwissenschaftlichen Forschung wurden solche Angriffe bisher kaum systematisch betrachtet. Die wenigen existierenden Veröffentlichungen dienen meist als quantitatives Monitoring und weniger als Analyse der Wahrnehmung der Angriffe, der Folgen für Betroffene sowie der potenziellen Einschränkung freier Berichterstattung.

Für ihre Untersuchung führten die Autoren zwölf Interviews mit Journalisten, die regelmäßig in Sachsen von Demonstrationen berichteten. Die Analyse zeigt, dass die wahrgenommenen Angriffe gravierende Auswirkungen auf die Berichterstattung sowie auf die Qualität der demokratischen Öffentlichkeit in Sachsen haben. Die zentralen Ergebnisse:

  • Demonstrationen in Sachsen stellen unsichere Räume für Journalisten dar.

  • Medienschaffende nehmen eine Stellvertreterrolle für politische Gegner ein.

  • Journalisten sind bei der Bewältigung der Erlebnisse meist auf sich allein gestellt.

Die Autoren betonen, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die freie Berichterstattung als zentrale Säule einer liberalen Demokratie besser zu schützen. Sicherheitsbehörden, Politik und die Bürger Sachsens sollten gezielte Angriffe als strategische Aktionen der extremen Rechten ernst nehmen.

Angaben zum Artikel

Gutsmiedl, C., & Kiess, J. (2025): Protestberichterstattung an den Grenzen der Demokratie. M&K Medien & Kommunikationswissenschaft, 73(4), 530–546. DOI: 10.5771/1615-634X-2025-4-1.

 

Über das EFBI

Das an der Universität Leipzig angesiedelte Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) bildet eine Forschungsinfrastruktur in Sachsen, die demokratiefeindliche Einstellungen, Strukturen und Bestrebungen erforscht und dokumentiert. Im Vordergrund stehen dabei verschiedene Formen der Diskriminierung, die Strategien und Dynamiken rechts-autoritär motivierter Bündnisse und die Stärkung demokratischer Politik.

Pressekontakt

Pia Siemer

Referentin für Wissenschaftskommunikation
Strohsackpassage
Nikolaistr. 6-10
04109 Leipzig

Tel.: 0341 / 97-37892

E-Mail: pia.siemer@uni-leipzig.de

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